31.07.2019 / komba gewerkschaft nrw

komba Reportage: Digitalisierung - New Work aus drei Blickwinkeln

Die eine vertritt die Generationen Y und Z, die mit modernen Techniken groß geworden sind. Der andere kennt die Arbeitsabläufe einer kommunalen Verwaltung seit 22 Jahren und verfolgt als Personalratsvorsitzender die Debatte zur Digitalisierung aktiv mit. Der Dritte ist Führungskraft und weiß, wie wichtig IT, Personal und Organisation im Rahmen der Debatte um den digitalen Wandel sind. Valentina van Dornick, Christian Bernheine und Ralf Bockshecker mit ihren Perspektiven zu New Work.

Valentina van Dornick, Landesjugendleiterin der komba jugend nrw
Valentina van Dornick, Landesjugendleiterin der komba jugend nrw

Ein sonniger Nachmittag im Mai. Die komba gewerkschaft nrw und die Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt) veranstalten gemeinsam ein Symposium zur Digitalisierung. Um das komplexe Thema zu beleuchten, sind verschiedene Blickwinkel entscheidend. Valentina van Dornick, Christian Bernheine und Ralf Bockshecker treffen in dieser Form zum ersten Mal aufeinander und diskutieren ihre Erwartungen, die aktuellen Entwicklungen und Wünsche an den digitalen Wandel. Auch wenn sie aus unterschiedlichen Kommunen kommen wird schnell klar, vieles ist deckungsgleich: Probleme und Herausforderungen ähneln sich. Genauso die Ideen und Visionen an eine Kommune der Zukunft. Alle Gemeinden sind unmittelbar von New Work betroffen und daher zum beherzten Handeln aufgefordert. Noch gleicht die digitale Landschaft allerdings einem Flickenteppich, wo es an einheitlichen Standards und Leitmodellen fehlt.

Erwartungen 4.0: Beteiligung und breitgefächerte Denkweisen
„In einer zunehmend digitalen, globalen, unsicheren und komplexen Zeit stoßen die althergebrachten Arbeitsweisen, die zwar nach wie vor funktionieren, zunehmend an ihre Grenzen. New Work muss Antworten geben, die über die Einführung von IT-Verfahren oder mobilen Arbeitslösungen hinausgehen“, sagt Ralf Bockshecker. Er ist sicher, dass die Arbeit in Zukunft stärker prozess- und projektorientiert ist. Genau das erfordere eine veränderte Denkweise bei Führungskräften und Mitarbeitenden, betont der stellvertretende Amtsleiter des Personal- und Organisationsamtes der Stadt Bonn.

Das genau solche Veränderungen transparent gestaltet werden, ist Valentina van Dornick besonders wichtig. Sie spricht nicht nur als Beschäftigte der Stadt Willich, sondern auch als Landesjugendleiterin der komba jugend nrw. Daher liegt ihr Augenmerk klar auf den jungen Kolleginnen und Kollegen. „Wir sind diejenigen, die mit den Entscheidungen und Veränderungen von heute, morgen noch arbeiten. Umso wichtiger ist es, dass wir an den Prozessen beteiligt werden und uns aktiv einbringen“, fordert sie. Dabei geht es ihr um Weiterentwicklungen im Bereich mobiles Arbeiten genauso wie um Ausbildungsinhalte, die angepasst werden müssen.

Für Christian Bernheine ist das Einbinden der Beschäftigten ebenfalls ein wichtiges Anliegen. Wenngleich sein Arbeitgeber, der Landschaftsverband Rheinland, schon mitten in der Digitalisierung steckt und moderne Bürokonzepte wie das Desk Sharing, also das Teilen von Schreibtischen bei Abwesenheiten, forciert, sieht er Verbesserungspotenziale.

Ralf Bockshecker, stellvertretender Amtsleiter des Personal- und Organisationsamtes der Stadt Bonn
Ralf Bockshecker, stellvertretender Amtsleiter des Personal- und Organisationsamtes der Stadt Bonn

Digitaler Wandel bringt Herausforderungen
„Wir müssen bei all der Technisierung aufpassen, dass wir nicht die Menschen vergessen, die eventuell nicht mit der neuen Technik zurechtkommen und demzufolge nicht mit dem erhöhten Pensum der Arbeitswelt Schritt halten können“, sieht Bernheine eine der großen Herausforderungen. Zudem mahnt er an, dass die kommunale Welt nicht diejenigen aus dem Blick lässt, die künftig nicht zu 100 Prozent digitalisiert sind: „Auch für diese Gruppe müssen wir weiterhin zugänglich sein.“

Dieses Problem teilt Valentina van Dornick und appelliert daran, für jene Beschäftigte, Alternativen zu schaffen. Bezogen auf die Ausbildung sieht sie die Notwendigkeit, dass Berufsschulen und Fachhochschulen den digitalen Wandel leben und lehren. „Was bringt beispielsweise der ab 2020 geplante Studiengang Verwaltungsinformatik, wenn Dozentinnen und Dozenten sowie Ausbilderinnen und Ausbilder in den Kommunen nicht entsprechend auf Ausbildungsinhalte vorbereitet sind oder es an der nötigen technischen Ausstattung mangelt?“, fragt die Landesvorsitzende der Jugendorganisation.

Ralf Bockshecker sieht seine Bonner Verwaltung schon auf einem guten Weg. Digitalisierungskonferenzen mit allen Beigeordneten, Amtsleitungen und Stellvertretungen sowie eine Kanalisierung aller Digitalisierungsvorhaben in einem sogenannten Smart City Board werden bereits umgesetzt. Interne Qualifizierungsmaßnahmen hinsichtlich digitaler Kompetenzen sind in Vorbereitung. Gesamt gesehen betrachtet er den Wandel aus einem durchaus realistischen Blickwinkel: „Es geht um einen Kulturwandel und der wird eine gewisse Zeit benötigen. Es wird eine veränderte Unternehmens- und Führungskultur erforderlich sein, die Freiräume zum Ausprobieren schafft und eigenverantwortliches Arbeiten ermöglicht.“ Hierarchisches Denken und Kontrolle werden seiner Ansicht nach schrittweise durch Moderation, Vernetzung und Coaching abgelöst.

Christian Bernheine, Personalratsvorsitzender Landschaftsverband Rheinland
Christian Bernheine, Personalratsvorsitzender Landschaftsverband Rheinland

Wünsche an die Kommune der Zukunft
Nach ihrer Vision für die Kommune als Arbeitgeber der Zukunft gefragt, haben alle konkrete Vorstellungen. „Durch die Digitalisierung könnten wir weniger Bürokratie nach innen und außen erreichen. Ich wünsche mir, dass wir noch bunter und vielfältiger im öffentlichen Dienst werden“, meint Christian Bernheine. Diesen Wunsch hat auch Valentina van Dornick. Sie sagt: „Wir müssen die vielen vorhandenen Potenziale in den Kommunen besser nutzen.“

Ralf Bockshecker ist grundsätzlich von der Attraktivität des öffentlichen Dienstes überzeugt. Die enorme breite sinnstiftender Aufgaben und gute Möglichkeiten zur Vereinbarung von Familie und Beruf sind zwei seiner Beispiele. Er ist jedoch sicher, dass die Attraktivität durch eine veränderte Arbeitswelt noch steigen kann. Moderne Verwaltungsgebäude und eine entsprechende Büroausstattung sind Faktoren, die ebenso eine Rolle spielen.

Egal aus welchem der drei Perspektiven betrachtet: ohne Kommunikation funktioniert New Work nicht. Denn, der persönliche Kontakt und das Gespräch werden, wie das Symposium zeigte, keinesfalls dadurch ersetzt, dass immer mehr online passiert.

Kontakt

Torsten Haunert
Vorsitzender
Christ-König-Str. 16
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Tel: 0170 1459490
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